Die nächsten Konzerte


14.-16. Juni 2024: Musikalischer Widerstand gegen das "Protektorat".
Drei von NS-Verfolgung betroffene tschechische Komponisten

Nachdem Truppen der Wehrmacht im März 1939 in Tschechien einmarschiert waren, proklamierte Adolf Hitler das "Protektorat Böhmen und Mähren". Angeblich wurden diese Gebiete damit unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt. In Wahrheit war es eine Entrechtung der dortigen Bevölkerung, die Menschen jüdischer Herkunft in besonderem Maße betraf. Jüdische Musiker erhielten Berufsverbot, bis ihnen sogar der Besitz von Musikinstrumenten verboten war. Vom Widerstand der Bevölkerung zeugte das aufsehenerregende Attentat auf Reinhard Heydrich. Auch Musiker leisteten Widerstand, jedoch auf verborgene Weise. Das Projekt zeigt dies in vier Konzerten am Beispiel von drei Komponisten, die auf jeweils unterschiedliche Art auf die Repression reagiert haben: Rudolf Karel, Petr Eben und Miloslav Kabeláč.

Chor-Orgelkonzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin


Freitag, 14. Juni, 18 Uhr
Leoš Janáček: Orgelsolo aus der Glagolitischen Messe
Miloslav Kabeláč: Zwei Fantasien für Orgel op. 32 (1958)
Vier Präludien für Orgel op. 48 (1966)
Sechs Männerchöre nach Worten von Jiří Wolker op. 10 (1939-42) und Wiegenlied (1945)
-- Uraufführung --
Petr Eben: aus Musica dominicalis (Sonntagsmusik) für Orgel: III. Moto Ostinato - IV. Finale

Sebastian Heindl, Orgel
Männerkammerchor ffortissibros.


Drei Gesprächskonzerte im Wilhelm-von-Humboldt-Saal
der Staatsbibliothek zu Berlin (Unter den Linden 8)


Rudolf Karel Samstag, 15. Juni, 15 Uhr
Gesprächskonzert zu Rudolf Karel (1880-1945)
Rudolf Karel, 1880 in Pilsen geboren, einer der letzten Dvořák-Schüler, wurde nach einem abenteuerlichen Russland-Schicksal während des 1. Weltkrieges Professor für Komposition am Prager Konservatorium, wo Jaromir Weinberger zu seinen Schülern gehörte. Er war aber auch als Opernkomponist erfolgreich.
Wegen seines aktiven Widerstands gegen die deutsche Besatzung kam Karel 1943 ins Prager Gefängnis Pankrač, wo er unter schwierigsten Bedingungen weiterkomponierte. Er fertigte Partiturskizzen auf Toilettenpapier, die ein Aufseher aus der Haftanstalt schmuggelte. Karel starb im Februar 1945 in der Kleinen Festung von Theresienstadt.

Klavierwerke und Lieder
Jan Dušek, Klavier; Ondrej Holub, Tenor
Albrecht Dümling im Gespräch mit Magdalena Živná


Petr Eben Samstag, 15. Juni, 18.30 Uhr
Gesprächskonzert zu Petr Eben (1929-2007)
Der 1922 in Ostböhmen geborene Petr Eben durfte wegen seines jüdischen Vaters und Großvaters als "Halbjude" ab 1944 keine Schule mehr besuchen. Er wurde zu Zwangsarbeit verpflichtet, seine Großmutter ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Im Frühjahr 1945 kam er mit Vater und Bruder ins KZ Buchenwald. Nach dem Krieg studierte Eben in Prag Komposition und Orgel, war aber wegen seiner politischen Haltung weiterhin Repressalien ausgesetzt. Sein Sohn, der Musikwissenschaftler Prof. David Eben aus Prag, erinnert sich im Gespräch mit Bettina Brand an seinen Vater.

Elegie und Toccata aus der Suita Balladica für Cello und Klavier
Alttestamentarisches Fresko Saul bei der Prophetin in En-Dor für Violine und Klavier
Streichquartett Labyrinth of the World and Paradise of the Heart

Martinů Quartett; Robert Kolinsky, Klavier
Bettina Brand im Gespräch mit David Eben


Miloslav Kabelác Sonntag, 16. Juni, 11 Uhr
Gesprächskonzert zu Miloslav Kabeláč (1908-1979)
Miloslav Kabeláč, 1908 in Prag geboren, hatte bei Alois Hába und Erwin Schulhoff Musiktheorie und Komposition studiert. Wegen seiner Ehe mit einer jüdischen Musikerin erhielt er während der deutschen Besetzung Arbeitsund Aufführungsverbote. Auch als Dirigent konnte er öffentlich nicht mehr auftreten. Zu den wichtigsten Zeugnissen seines Widerstands gegen die Unterdrückung gehören die sechs Männerchöre op. 10, komponiert 1939-1942 auf politische Texte. Obwohl er auch unter der stalinistischen Kulturpolitik unterdrückt wurde, gilt er heute als einer der wichtigsten tschechischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er starb 1979 in Prag.

Kammermusik für Violine und/oder Cello und Klavier

Markéta Janoušková, Violine; Simone Drescher, Violoncello; Robert Kolinsky, Klavier
Stefan Lang im Gespräch mit Elisabeth Hahn


Gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds
Logo Mit freundlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung und der Bareva Stiftung
Logo Logo

Logo Wir danken der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin
und der Staatsbibliothek zu Berlin für die Kooperation


Eintritt frei beim Konzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Eintritt für die 3 Gesprächskonzerte:
Paketpreis 35 Euro, ermäßigt 20 Euro
Einzelnes Gesprächskonzert 15 Euro, ermäßigt 10 Euro
Ermäßigung wird Personen unter 20 Jahren und Studierenden gewährt sowie Mitgliedern von musica reanimata.

Kartenvorbestellungen nur schriftlich, per E-Mail an peter.sarkar@musica-reanimata.de
oder Post an Peter Sarkar, Steubenstr. 35, 99423 Weimar
an der Abendkasse ist nur Barzahlung möglich
musica reanimata