Das nächste Konzert
(172) Freitag, 12. Juni 2026, Konzerthaus Berlin, Musikclub, 20 UhrGustav Brecher: Dirigent, Komponist, Opernerneuerer. Ein jüdisches Musikerleben zwischen Ruhm und Exitus
Schon als 16jähriger Gymnasiast schuf Gustav Brecher eine sinfonische Dichtung nach dem Ibsen-Drama "Rosmersholm", für die sich kein Geringerer als Richard Strauss begeisterte. Er wurde zum wichtigsten Förderer des jungen Musikers, der sich zunehmend dem Dirigieren widmete. Nach Kapellmeisterstellen in Olmütz, Hamburg, Köln und Frankfurt/Main wurde Brecher 1923 Musikchef der Leipziger Oper. In dieser Position machte er nicht nur durch seine ausgefeilten Strauss- und Wagner-Interpretationen auf sich aufmerksam, sondern ebenso durch die bahnbrechenden Uraufführungen der neuen Opern "Jonny spielt auf" (Ernst Krenek) und "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" (Brecht/Weill).
Wegen dieser bei den Nazis verhassten Werke sowie seiner jüdischen Herkunft wurde Brecher 1933 aus Leipzig verjagt. Die erfolglose Suche nach alternativen Aufgaben führte den Dirigenten in eine schwere Krise. Als im Mai 1940 deutsche Truppen in Belgien einfielen, versuchte er vergeblich, mit einem Boot von Ostende nach England zu fliehen. Bis heute ist sein Tod ungeklärt.
Der Kulturhistoriker Jürgen Schebera widmet sich im Gespräch mit Albrecht Dümling den Lebensstationen dieses Künstlers, ergänzt durch Brief-Lesungen mit dem Sprecher Rosario Bona. Pia Davila (Sopran) und Linda Leine (Klavier) bringen eine Auswahl früher Lieder Gustav Brechers zur Aufführung. (Dieses Konzert sollte schon im Dezember 2025 stattfinden, musste aber verschoben werden.)
Dieses Konzert wird unterstützt durch die Bareva Stiftung
Sonderveranstaltung in Kooperation mit der Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Freitag, 29. Mai 2026, 18.30 - 20.00 Uhr im PopUp Gruppenraum 2 der Amerika-Gedenkbibliothek, Blücherplatz 1, 10961 BerlinJoseph Horovitz - A Life (1926 - 2022)
Filmausschnitte, kommentiert von Regina Hepner (London) und Albrecht Dümling (musica reanimata), sowie Live-Musik für Klarinette und Klavier erinnern an den vor genau 100 Jahren in Wien geborenen englischen Komponisten Joseph Horovitz.
Der Film "Joseph Horovitz - A Life (1926 - 2022)", welcher den Komponisten im Gespräch mit der Münchner Rundfunkjournalistin Susanne Schmerda zeigt, wurde an fünf Tagen im September 2018 in London gedreht. Der damals 92jährige Komponist erzählt hier lebendig von seiner Jugend in Wien, von der abenteuerlichen Flucht der Familie, von seiner musikalischen Ausbildung und seiner Entwicklung zum erfolgreichen Komponisten, Dirigenten und Musikprofessor.
Aus diesem englischsprachigen Film sehen wir Ausschnitte mit deutschen Untertiteln. Regina Hepner, die zusammen mit ihrem verstorbenen Mann, dem Unternehmer Leo Hepner, lange mit Joseph und Anna Horovitz befreundet war, hat den Film produziert. Sie ist an diesem Abend unser Gesprächsgast. Melina Paetzold (Klarinette) und Nanami Nomura (Klavier) spielen zwei Sätze der mitreißenden Sonatina für Klarinette und Klavier von Joseph Horovitz; außerdem werden Ausschnitte aus dem Gespräch zwischen Joseph Horovitz und Albrecht Dümling beim musica-reanimata-Gesprächskonzert Nr. 101 vom 29. März 2012 zu hören sein.
Eintritt frei. Die Raumkapazität ist begrenzt, deshalb ist eine Anmeldung erforderlich. Folgen Sie dafür bitte diesem Link zur ZLB:
[https://www.zlb.de/veranstaltungsuebersicht/joseph-horovitz/]
Weitere Konzerte
Sonderveranstaltung: Mittwoch, 1. Juli 2026, Neuköllner Oper (Berlin): Präsentation der Faksimile-Ausgabe von Viktor Ullmanns Kammeroper Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung. (Vortrag und Konzert).
Gesprächskonzerte im Konzerthaus:
(176) Donnerstag, 15. Oktober 2026: Vertrieben aus Deutschland, Weiterarbeit in Japan und USA. Der Komponist und Dirigent Joseph Rosenstock (1895-1985)
(177) Donnerstag, 17. Dezember 2026: Verfolgung in West und Ost: Gustav Lewin und Lev Abeliovich
Eintritt: 8 Euro (keine Ermäßigungen)
Kartenvorbestellungen: Konzerthaus Berlin [www.konzerthaus.de]
Tel.: (030) 20309 - 2101